Pflege

Toben im Welpenplüsch

Das Fell eines Cockers ist recht pflegebedürftig. Hierbei gilt es jedoch, einiges zu beachten, damit das Fell schön bleibt und auch seine Funktion als Temperaturregulator erfüllt werden kann. Man sollte den Hund schon im Welpenalter vorsichtig an das Bürsten heranführen und die ersten Erfahrungen so positiv, wie möglich gestalten. Wenn ein Cocker gegen Fellpflege ein Aversionsverhalten entwickelt, wird die ganze Prozedur schnell problematisch. Ich fange daher auch bei den Welpen schon an, sie mit einer ganz weichen Babybürste zu kämmen, um sie an die Pflegesituation zu gewöhnen. Die „Plüschphase“ dauert ca. ein 3/4 Jahr, danach kann der Hund dann erstmals richtig getrimmt werden.

Lottes Ausstellungslook

Ganz wichtig: Man sollte niemals die Decke eines Cockers mit der Schermaschine bearbeiten. Dadurch wird die Fellstruktur dauerhaft zerstört, denn die Unterwolle wächst immer schneller als das Deckhaar und verdrängt dieses. Das führt zu einem ungepflegten Eindruck – das Fell wächst meist lockig und unkontrolliert weiter. So entsteht noch mehr Pflegeaufwand, und man bekommt das Fell nur noch schwer in den Griff. Bei kastrierten Hündinnen tritt dieses Problem leider auch oft auf. Durch das hormonelle Ungleichgewicht nach der Kastration sprießt die Unterwolle viel zu stark. Zusätzlich kommt es meist zu einer Gewichtszunahme – das Resultat: der typisch dicke und lockige „Oma-Cocker“, der mit den rassetypischen Eigenschaften nur noch wenig gemeinsam hat.

Cocker haben in der Regel ein dichtes, aber seidig glattes Haar sowie eine sogenannte Befederung an den Läufen und am Bauch. Diese kann mehr oder weniger dicht und lang sein, ist aber auf jeden Fall länger als das Fell am Rücken. Diese Fellstruktur bildet sich erst im Laufe des ersten Lebensjahres aus. Davor tragen Junghunde ihren „Welpenplüsch“, den man ebenfalls gut pflegen und bürsten muss, da sich sonst schnell Verfilzungen bilden – besonders gerne unter den Achseln, am Brustfell und an den Läufen. Ich benutze dazu eine Drahtbürste mit feinen Zinken (z.B. den Slicker Brush von Chris Christensen). Man sollte den Hund 2–3 Mal pro Woche gründlich durchbürsten – auch, um Zecken, Grannen und andere Fremdkörper frühzeitig zu entfernen. Besonders Grannen sind eine echte Landplage: Im Sommer ist leider schon so mancher Hund beim Tierarzt gelandet, weil sich diese in die Haut bohren und schwere Entzündungen verursachen können. Nachdem der Hund überall gut durchgebürstet wurde (auch am Bauch, an den Innenseiten der Schenkel und unter der Rute), kommen bei mir Spratts-Kämme zum Einsatz – die Nr. 73 und Nr. 71 (etwas gröber). Damit lassen sich auch die Ohren gut bearbeiten.

Die Pfoten sollten täglich auf Fremdkörper untersucht werden. Diese kann man mit einer kleinen Schermaschine freischneiden – am besten in Form sogenannter „Katzenpfoten“, d. h., das Deckhaar bleibt länger, während das Fell um und unter den Pfoten- bzw. Zehenballen kurz geschnitten wird. Ich verwende hier eine Aesculap Accurata, aber auch eine günstigere Maschine ist dafür geeignet.

Viele trimmen ihre Hunde etwa alle drei Monate. Ich mache es eher nach Bedarf – außer, ich habe vor, eine Ausstellung zu besuchen.

Die Haare auf dem Kopf werden von vielen Haltern gezupft. Ich bin allerdings kein großer Fan davon, den Hund wie ein Hühnchen zu rupfen. Viele sind der Ansicht, dass es dem Hund nicht unangenehm ist und das es sich um „totes Haar“ handelt. Ich habe da jedoch einen anderen Eindruck. Auch die meist helleren Haare auf dem Kopf haben Haarwurzeln, sitzen aber nicht so fest. Ich verwende stattdessen eine Schermaschine oder Effilierschere, mit der die Haare auf ca. 5 mm gekürzt werden. Bitte beachtet – das hier ist nur meine Meinung. Andere Züchter sehen das möglicherweise anders, das muss also jeder für sich entscheiden. Eine Effilierschere sollte man aber ohnehin immer zur Hand haben, denn damit kann man Verfilzungen etwas schonender entfernen. Außerdem wird das Haar an der Wamme, vom Halsansatz bis zur Brust, etwas effiliert, ebenso die Ansätze der Ohren. Die Fahnen an den Beinen kann man je nach Geschmack und Fellwuchs etwas kürzen und ausdünnen. Da unsere Hündin eher feinfellig ist, habe ich da zum Glück nicht sehr viel zu tun. Auch die Haare an der Rute werden etwas gekürzt – aber nicht so stark, dass der Schwanz wie eine Antenne aussieht. Auf Ausstellungen mag das zwar gewünscht sein, mir gefällt das jedoch nicht.

Die Innenseiten der Ohren sollte man ganz kurz halten und nach jeder Gassirunde im hohen Gras gründlich kontrollieren. Je dichter die Ohren zugewuchert sind, desto leichter transportiert der Hund damit unerwünschte Dinge. Auch hier sind Grannen als latente Gefahr zu nennen. Gelegentlich sollte man auch eine Geruchskontrolle durchführen, um Ohrenentzündungen frühzeitig zu erkennen. Eine Ohrenentzündung riecht man schnell und sieht sie auch – betroffene Hunde kratzen sich häufig und schütteln den Kopf. Bei Schlappohren ist die Gefahr einer Ohrenentzündung grundsätzlich erhöht, aber mit guter Pflege und regelmäßigem Trimmen kann man dem gut entgegenwirken.

Die Augenwinkel kann man mit einem feuchten Wattepad auswichen, falls Absonderungen vorhanden sein sollten.

Neben der Sicht- und Geruchskontrolle ist es sinnvoll, regelmäßig mit einem Wattepad die Ohren zu reinigen. Dabei sollte man keine Wattestäbchen verwenden. Man sollte es vermeiden, flüssige Ohrreiniger in die Ohren zu schütten, denn in dem dadurch entstehenden, feuchten Mikroklima gedeihen Hefen und Bakterien ganz hervorragend. Wer häufig schwimmen geht, sollte besonders auf gründliches Abtrocknen der Ohren achten, um Infektionen zu vermeiden. Die Innenseiten der Schlappohren und rund um den Gehörgang sollte man daher ganz kurz rasieren. Beim Rasieren sollte man den Gehörgang vor den abgeschnittenen, feinen Härchen schützen, denn das juckt sie sonst ganz furchtbar,

Gebadet werden sollte ein Hund nur nach Bedarf – entweder, weil er sich in etwas Unerfreulichem gewälzt hat oder aussieht wie ein Amphibienfahrzeug. Dabei sollte man natürlich ein für Hunde geeignetes Shampoo verwenden. Das Fell des Cockers ist Lanolinhaltig und reinigt sich im Regelfall von alleine. Zu häufiges Duschen stört diese Selbstreinigungsfunktion.

Die Zähne sollte man regelmäßig kontrollieren und putzen – zum Beispiel mit einer geeigneten Hundezahnbürste oder einem Fingerling. Es gibt zwar viele Zusatzpräparate, Sprays oder Pülverchen – man kann diese verwenden, doch hier ist die Erwartung oft höher als das tatsächliche Ergebnis. Wer es sich zutraut, kann auch einen Zahnsteinentferner aus Edelstahl verwenden. Hier muss man jedoch aufpassen, das man den Zahnschmelz nicht beschädigt.

Frisch getrimmt und bereit zum Spielen

Neben der Pfotenpflege sollte man sich auch immer die Krallen gut anschauen, besonders die Wolfskrallen, die sich nicht selber abnutzen. Hier muss gelegentlich etwas gekürzt werden. Das sollte man sich anfangs immer zeigen lassen oder ggfs. beim Tierarzt durchführen lassen.

Die Pflegezeit kann auch als Bindungsritual und Training genutzt werden: Besonders am Anfang den Hund während des Bürstens positiv bestärken, Leckerlis gezielt einsetzen, aber am besten (besonders zu Beginn) – lieber kurz, regelmäßig und entspannt bürsten anstatt lange und stressige „Trimm-Sessions“.

Im Sommer bekommt man es oft mit Zecken, Flöhen und anderen Beifahrern zu tun. Ich bin kein Freund davon, dem Hund dagegen mit Kautabletten (z.B. Simparica oder Nexgard) zu behandeln, auch wenn Tierärzte meist erklären, dass das alles ganz harmlos ist. Ich habe in meinem Umfeld des öfteren gehört, dass es zu starken Nebenwirkungen gekommen ist.
Ich tue mich hier schwer mit Empfehlungen, aber die bessere Wahl in der Zecken- und Floh-Hochzeit (meist Ende April bis Juni/Juli) sind nach wie vor entsprechende Halsbänder. Alle pflanzlichen Produkte/Tropfen auf dem Markt wirken erfahrungsgemäß zwar leicht repellierend, aber sind kein echter Schutz. Das gleiche gilt für Bernsteinketten, Clips und anderen Hokuspokus. Auch Kokosöl hat eine leicht repellierende Wirkung, das reicht nicht aus, um Zecken komplett abzuwehren.